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Karriere & Beruf
17.11.2002

Kliniken optimieren ihr Arbeitgeberprofil

Wettbewerb um Assistenzärzte

Von Annette Fahrendorf

„Um einen guten Spieler an Bord zu holen, muss ich klar machen, dass ich eine gute Mannschaft habe. Das wird den Krankenhäusern allmählich bewusst,“ sagt Ralf Döbler von der Delphi Personalberatung, Diese ist seit 15 Jahren im Gesundheitswesen tätig – vor allem für die Industrie. Heute nehmen immer mehr Krankenhäuser Beraterdienste in Anspruch. Der Grund: Während Ende der 90er Jahre von Ärzteschwemme die Rede war, fehlen heute landesweit mehr als 2000 Assistenzärzte. In Großbritannien und Skandinavien locken Jobs für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen. Und 40 Prozent der Medizinstudenten springen im Studium oder im praktischen Jahr ab, denn Industrie und Forschung zahlen besser – bei festen Arbeitszeiten. Die Perspektiven einer Klinikkarriere: nochmal fünf oder noch mehr Jahre Ausbildung zum Facharzt – bei schlechten Bedingungen und wenig Gehalt. Ein Assistenzarzt (31 Jahre, ledig) verdient im Mona brutto rund 3180, netto etwa 1600 Euro.

Die Krankenhäuser hat es kalt erwischt. Durch das jahrelange Ärzteüberangebot ist die Personalarbeit vielerorts vernachlässigt worden. Doch Mediziner haben – wie alle anderen Arbeitnehmer – Wünsche, die über den reinen Job hinausgehen. Michael Bedrich, Personalberater aus Dresden, hat Bewerber befragt. Er sagt: „Im Vordergrund steht immer die Tätigkeit und die Weiterbildung in der angestrebten Fachrichtung, oft ist es auch der Wunsch, von einem namhaften Arzt oder Professor betreut zu werden.“ Auch Freizeitmöglichkeiten, angemessenes Gehalt und gutes Betriebsklima seien wichtig. Und: „Die Arbeit soll sich vernünftig organisieren lassen“.

Die Realität sieht anders aus. Gerade junge Ärzte arbeiten in Krankenhäusern oft bis zur völligen Erschöpfung: acht Stunden Dienst, zwölf bis 15 Stunden Bereitschaftsdienst – mit im glücklichen Fall ein paar Stunden Schlaf auf der harten Klinikpritsche – und danach gleich wieder acht Stunden Dienst.

Die Charité als Vorreiter

Im Oktober 2000 hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass diese Praxis nicht zulässig ist. Das Urteil wurde von mehreren deutschen Gerichten bestätigt. Grundlegende Umstellungen der Dienstpläne sind notwendig, doch davor scheuen viele Klinikchefs zurück. Und nicht nur sie. Auch viele Ärzte hängen am alten System: viele Dienste und Überstunden bessern das BAT-Gehalt (um durchschnittlich 600 Euro pro Monat) deutlich auf. Gleichwohl ist allen Beteiligten klar, dass sich etwas ändern muss. Das Gesundheitsministerium unterstützt die Arbeit des LASI (Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik), der Verband der Klinikdirektoren in Deutschland und der Marburger Bund haben Modelle erarbeitet, wie die Arbeitszeit besser geregelt werden kann.

Als eins der ersten Berliner Krankenhäuser hat die Charité angefangen, das Dienstesystem zu reformieren. Bislang sind die Erfahrungen positiv. „Oft“, sagt Norbert Przybill, Mitarbeiter in der Verwaltungsdirektion, „können durch Reduzierung der Überstunden und Bereitschaftszeiten neue Stellen geschaffen werden. Durch den engen Arbeitsmarkt werden diese aber nicht zügig besetzt. Das verzögert die Umsetzung.“

In Agatharied bei München hat eine Arbeitsgruppe ein Konzept erarbeitet, das auch die Aufgaben umverteilt. Derzeit sind Assistenzärzte an eine Station angebunden und von dort jederzeit abrufbar. Peter Knappich, Oberarzt der Chirurgie, schildert: „Während der Arzt auf einen Einsatz außerhalb wartet, fängt er mit anderen Aufgaben gar nicht erst an. Die bleiben dann liegen. Weil er sie später trotzdem machen muss, entstehen Überstunden.“ Jetzt soll es einen „Funktionsarzt“ mit festen Aufgaben geben. Das neue System soll auch die Weiterbildung verbessern. Ein Assistenzarzt muss, wie ein Trainee in der Wirtschaft, verschiedene Stationen durchlaufen. Der „Arbeitskreis junge Ärzte“ der Ärztekammer Berlin hat AiP-ler und Assistenzärzte nach ihren Weiterbildungserfahrungen befragt. Mehr als die Hälfte gab an, keine konkreten Pläne zu haben. Für die meisten sei es „sehr schwierig“, ihre Ausbildung in der vorgesehenen Zeit abzuschließen. Catharina Döring-Wimberg vom Arbeitskreis fordert Eigeninitiative: „Es muss Weiterbildungspläne geben und die müssen eingehalten werden. Aber die Ärzte müssen das auch selbst in die Hand nehmen.“

Weitere Infos im Internet:

http://www.aerztestellen.de/, http://www.medizinische-berufe.de/, http://www.klinikheute.de/, http://www.delphi-mb.de/, http://www.bedrich-personal.de/, http://www.lenders.com/, http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/03.11.2002/288232.asp


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